Die Verbindung von Religion und Epilepsie ergibt sich sowohl unmittelbar aus dem Anfallsgeschehen und der Betroffenheit des Epilepsiekranken als auch aus der Sicht des Beobachters.
Heftige Anfälle lösen Ängste aus, unwillkürliche Reaktionen (Zucken, Schreien, Speichelfluss) werden immer noch in Beziehung zum Okkulten, zum Dämonischen und damit zur "Besessenheit" gesehen.
Dämonen und Teufel sind in vielen künstlerischen Bearbeitungen des Themas sichtbar. Votivtafeln spiegeln den Gedanken an Erlösung von dem Bösen.
Eine Leserzuschrift eines Betroffenen an die Zeitschrift "Einfälle": "Nach einer persönlichen Schuldzuweisung, dem Vorwurf eines sündigen Lebens - Epilepsie als Strafe Gottes - bis hin zur Dämonisierung wird der arme Kranke dann verurteilt, wenn das Ziel - eine völlige Heilung durch Gebet - nicht in kurzer Zeit erreicht wird. "
Tragische Einzelgeschehnisse mit misslungenem Exorzismus sollten nicht überbewertet werden, zeigen aber, dass Menschen immer wieder einer kompetenten fachärztlichen Betreuung nicht zugeführt werden.
Biblische Hinweise auf Epilepsien sind reichlich gegeben und wissenschaftlich kommentiert. So werden im Alten Testament Sauls Gewaltausbrüche in Verbindung mit Epilepsie gebracht (1 Sam 16 und 18). David simuliert einen epileptischen Anfall bei den Philistern (1. Sam 21,11-15). Er tobte "... vor ihnen irrsinnig und gebärdete sich unter ihren Händen wie ein Rasender. Er trommelte gegen die Torflügel und ließ seinen Speichel in seinen Bart fließen." (vgl. Schneble 1996, Epilepsie-Blätter 9).
Abbildung Epilepsie im Bild (Geigy-Pharma)
Aufschlussreicher ist jedoch die Heilung eines epilepsiekranken
Jungen durch Jesus in Markus 9,14-29 (sh. Bild):
Die Aussagen des Vaters in diesem biblischen Wunder sind so
detailliert, dass die Verlaufsform eines generalisierten
tonisch-klonischen Krampfanfalls von Fachleuten unschwer erkannt
werden kann. Prof. Dieter Janz, einer der anerkanntesten
Wissenschaftler zum Themenkreis Epilepsie, hat im Rahmen einer
Predigt zum Tag der Epilepsie 1996 dieses Gleichnis nicht nur einer
medizinischen Analyse unterzogen, sondern dieses Wunder als Arzt
gleichsam in die Thematik bedingungslosen Glaubens und der Nachfolge
Jesu gestellt (Janz 1997, Epilepsie-Blätter 10).
(weitere Dokumente unter 8.7.5.4)